Freitag, 20. November 2009

Zwischenbericht aus dem Norden Argentiniens

Letzten Freitag hatte ich schon einen stressigen Tag.....vormittags bin ich aus meinem Zimmer ausgezogen, hab mein ganzes Hab und Gut zu den Grosseltern von Lisandro geschafft, bin mittags in der Uni gewesen um den Rest der Abschlusspraesentation unserer fiktiven Unternehmensgruendung zu besprechen und diese danach noch zu halten. Eine kleine Reisetasche schon gleich in die Uni mitgebracht, fuhren wir nach der letzten Vorlesung dann auch gleich zum Busbahnhof um in den Nachtbus nach Salta zu steigen......dieser wollte uns aber dann noch nicht gleich unseren wohlverdienten Schlaf goennen, so dass wir noch 3 Stunden im Bahnhofscafe auf ihn warten mussten. Samstag am Nachmittag endlich in Salta und kaum im Hostel angekommen hatte es mordsmaessig zu schuetten begonnen.....wie gut, dass es ausgerechnet da das erste Mal in 9 Monaten geregnet hat. Aber gut, das Hostel hatte einen Billardtisch, wir haben ein Begruessungsbier bekommen, und zwei andere Reisende haben ihre Musikinstrumente ausgepackt und musiziert...einfach ne gigantische Stimmung im Hostel. Fuer den naechsten Tag hatten wir auch gleich einen Tagesausflug organisiert. Gleich um 7 Uhr in der Frueh wurden wir also am Sonntag morgen im Hostel abgeholt und sind an der Strecke des "Tren a las Nubes" bis nach San Antonio de los Cobres etwa 180km von Salta aus unterwegs gewesen. Auf der Strecke haben wir in Santa Rosa de Tastil noch kurz halt gemacht und ein altes Inka-Dorf auf nem Berg mit hunderten von riesigen Kakteen besichtigt. In San Antonio de los Cobres sind wir nach der Mittagspause dann an der hoechsten Stelle angelangt....auf 4080m ueber dem Meeresspiegel. Der naechste Halt sollte dann an den Grandes Salinas sein...eine riesige Salzwueste. Auf der ganzen Welt existieren auch nur 3 solche Salzwuesten, die anderen beiden sind gar nicht weit weg von hier auf chilenischem und bolivianischem Territorium. Und schon waren wir auch wieder unterwegs zu unserem letzten Halt fuer diesen aufregenden Tag, naemlich in Purmamarca, wo es einen Berg mit 7 verschiedenen Farben gibt. Dieses kleine Dorf hat in der Ortsmitte auch einen kleinen Markt mit regionalen Sachen....wirklich toll!!!! Montag haben wir uns dann Salta angesehen....hier gibt es unglaublich viele Kirchen und Kloester...alle wunderschoen. Eine Seilbahn zum Stadthuegel gibt es auch...da sind wir natuerlich hoch, um die Aussicht zu geniessen - bei einer gemuetlichen Tasse Kaffee! Dienstag sind wir ein weiteres Mal auf Tagesausflug gegangen...wurden wieder gegen 7 Uhr im Hostel abgeholt....und dieses Mal ging es nach Cafayate in den Sueden von Salta....eine der Haupt-Weinregionen Argentiniens. Die etwa 200km von Salta dorthin sind landschaftlich einfach ein Wahnsinn....wie der Grand Canyon, und dann auch gleich so bunte Berge wieder....vielseitig und einfach nur wunderschoen...da konnte man sich nicht satt sehen!!! Mittags in Cafayate angekommen hatten wir zwei Besichtigungen von Weinkellereien. Einmal von "Vasija Secreta" - der aeltesten des Ortes - und von "Domingo Hermanos" - der groessten des Ortes - und das natuerlich inklusive Degustation....ausgezeichnet. Die Mittagspause, die wir uns mit Mate im Park sitzend erholen konnten, tat danach richtig gut....auf dem Rueckweg sind wir zwar die gleiche Strecke, die landschaftlich so wunderschoen war zurueck gefahren, haben aber extra noch einmal kurz in einem kleinen Ort namens "Alemania" gehalten, wo sich vor Jahrzehnten mal 5 deutsche Familien niedergelassen haben.....lustige kleine Foto-Pause also!!! Mal wieder spaet abends zurueck gekommen haben wir uns gleich fuer den naechsten Tagesausflug vorbereitet...da die von Salta aus wirklich gut und auch relativ guenstig organisiert sind...auf jeden Fall lohnend! Gestern Frueh um 7 Uhr sind wir dann also wieder am Hostel gestartet...und noch einmal in den Norden. Erster Stopp war die Stadt Jujuy, dann nochmal Purmamarca (wo der Huegel mit den 7 Farben war) und nochmal ein ganzes Stueck weiter noerdlich erst nach Tilcara - ein weiterer aber noch viel bedeutender Inka-Ort - und dann nach Humahuaca. Die ganze Strecke wieder inmitten einer landschaftlich sagenhaften Kulisse!!! Naja, und auf dem Rueckweg nach Salta haben wir dann noch am suedlichen Wendekreis des Aequators gehalten und das dortige Monument fotografiert (Wendekreis des Steinbocks). Zurueck im Hostel gabs dann noch ein wunderbares Asado (BBQ) mit Rotwein und ab ins Bett.... Heute war wieder Salta selbst auf dem Programm, so sind wir gleich als erstes ins Archaeologische Museum gelaufen und haben eine sehr gut konservierte Inka-Mumie beispielsweise bewundern duerfen...die sogar besser als der Oetzi in Bozen erhalten ist!!! Und eigentlich wollten wir danach in einen kleinen Vorort von Salta fahren um eine gefuerte Reit-Tour zu machen...aber kaum dort angekommen, hat es zu schuetten und zu hageln begonnen, so dass wir unseren heutigen ruhigen Tag einfach bei ein paar Glaesern Salta-Bier fortgesetzt haben. Morgen gehts dann weiter nach Tucuman......aber soweit moeglich werde ich euch natuerlich wieder auf dem Laufenden halten!! Liebe Gruesse aus dem Hostel....eure Vreni

Donnerstag, 12. November 2009

Wochenende der Festivals, Fotos 4. Monat, Endspurt Uni.....Beginn Nomadendasein

Letzten Donnerstag stieg im Rahmen meines Jahrgangs eine Verkleidungsfeier zum Thema "Militär"....weil die Leute, mit denen ich hier studiere ihr Studium nun im Dezember abschließen....und sowas, wie bei uns der Abistreich ist, macht man hier VOR den Abschlussprüfungen. Naja, alle gleich angezogen sind wir erst einmal - wie sollte es anders sein - zum Grillen gegangen, mit einem "Disko-Bus" quer durch die Stadt zur Uni gefahren und haben dort wild mit sowas wie Teppichreiniger rumgesprüht, dann ging das Grillen weiter. Was für eine Nacht!!
Den nächsten Tag nach den Vorlesungen sind Jule und ich dann noch nach Buenos Aires zu Tina gefahren, und alle tot ins Bett gefallen. Tina musste sich auf eine Prüfung vorbereiten, also fuhren Jule und ich am Samstag alleine auf das Gaucho-Festival nach San Antonio de Areco. Also manche Gauchos sind wirklich fesch!!! Alle auf den Pferden unterwegs in ihren typischen Trachten - weite Hosen und hohe Lederstiefe, natürlich immer einen Hut auf - und haben auch so Pferderennen veranstaltet. An diesem sonnigen Tag gab es dann auch ganz viele typische Gerichte - Fleisch - und Märkte, wo teilweise selbst hergestellte Sachen verkauft wurden. Recht spät abends kamen wir dann wieder zu Tina zurück, die uns fast nicht klingeln gehört hatte, weil in ihrer WG eine Geburtstagsparty im Gange war.....da mussten wir dann auch noch mitfeiern. Am Sonntag sind wir dann ins Stadtviertel San Telmo gefahren, wo jeden Sonntag ein ganz großer Antiquitäten- und Künstlermarkt stattfindet. Nach einigen Stunden schlendern haben wir uns dann auf den Weg zum Pepsi Music Festival gemacht, von dem wir am Abend vorher erfahren haben. Den ganzen Nachmittag haben wir dort also Bands wie Maximo Park, Ting Tings, Karamelo Santo etc gehört.
Dann wollten wir eigentlich noch abends zurück nach Rosario fahren....aber nach typisch argentinischer Manier läuft alles bisserl chaotisch und man wird von Ticketschalter zu Ticketschalter geschickt....in dem einen Bus gibt es noch freie Plätze, aber der Computer funktioniert nicht --> es werden keine Tickets verkauft, der Bus fährt lieber leer!!! Und andere Busgesellschaften haben gerade 5 Minuten bevor wir uns angestellt haben ihr letztes Ticket verkauft......und wollten, dass wir 3 Stunden am Busbahnhof mitten in der Nacht auf den nächsten verfügbaren Bus warten! Das haben wir natürlich nicht gemacht, sondern haben lieber Tina noch eine Nacht mehr belagert. Montag Vormittag bin ich dann mit 3 Hamburger Mädels (die schon in Brasilien dabei waren) zum Frühstücken ins Starbucks gegangen und mittags dann mit dem Bus nach Rosario gefahren. Die 4 Stunden Busfahrt konnte ich wenigstens zum Lernen nutzen. Die letzten Tage ist nicht viel passiert...morgen haben wir unsere Schlusspräsentation und müssen einen Business Plan für unsere Geschäftsidee verteidigen, und das will natürlich gut vorbereitet sein. Die letzten Tage hat sich meine Gruppe also deswegen noch einige Male getroffen, um den "Rest" zu bearbeiten - ganz schön umfangreich so ein Business Plan!!!!
Naja, meine Mitbewohnerin Nathalia hatte halt gestern noch Geburtstag.....und so habe ich vorgestern Abend für etwa 20 Leute wieder Kaspressknödelsuppe gemacht...und was Süßes gab´s natürlich auch!
Morgen - nach meinen letzten spanischen Vorlesungen hier in Argentinien - werde ich erst einmal 2 Wochen am Stück unterwegs sein. Jule und ich entdecken dann den Norden - Salta, Jujuy etc! Und da ich nur noch vereinzelte Tage in Rosario bin, dachte ich mir, ich nehme Lisandros Gastfreundschaft wieder in Anspruch und spare mir die Miete für den nächsten Monat. Morgen Vormittag werde ich also aus meinem schönen Zimmer - nach genau 3 Monaten - wieder ausziehen und wieder zurück zum Couchsurfer-Dasein schreiten.
Bis bald,
eure Verena
Rückblick 4.Monat

Donnerstag, 5. November 2009

Sommer, Sonne, Copacabana & Caipirinha....

Wie die Zeit doch ins Land geht.....seit dem letzten Blog-Eintrag ist enorm viel passiert...! Erst habe ich etwa 10 Tage lang Tag und Nacht durchgelernt...bin teilweise nach 15 Stunden am Schreibtisch draufgekommen, dass ich ja vom Bett mich dort direkt hingesetzt hab - ohne Zähneputzen und Schlafanzug ausziehen - aber gut, dafür hab ich auch echt was weiter gebracht..! Nach der ganzen Arbeit, kam die Belohnung aber dafür auch umso großzügiger..! Letzte Woche bin ich nach Buenos Aires gefahren, habe dort auf dem Radl noch eine weitere Stadttour durch versteckte Teile der Stadt gemacht....und schon ist die "Nacht der Nächte" angebrochen....wo es losging...nach BRASILIEN!!!! Mit einer studentischen Organisation, die immer wieder Reisen und Ausflüge und dergleichen organisiert, haben Tina und ich uns also für eine Reise nach Brasilien angemeldet. Mit 30 weiteren internationalen Studenten (aus Mexiko, Brasilien, Puerto Rico, Frankreich, Italien, USA, England, etc und 3 weiteren Deutschen) ist die Gruppe also mehr oder minder ohne Argentinier in Buenos Aires aufgebrochen. Per Bus kurz nach Mitternacht zum Flughafen aufgebrochen, saßen wir im ersten Flieger nach Sao Paolo, wo wir uns die Kathedrale, die größte Börse Südamerikas (mit Führung), von nem Aussichtsturm die ganze Stadt und den Markt angesehen haben. Von dort ging es dann per Bus gegen Abend wieder weiter nach Angra dos Reis, wo wir direkt am Atlantik untergebracht waren. Nach nur wenigen Stunden Schlaf sind wir mit dem Hotel-eigenen Boot also zu einem Tag mit Caipirinha und dergleichen auf dem Wasser aufgebrochen. Von den 300 kleinen Inselchen, die dort an der Küste liegen, haben wir EINIGE gesehen und an den fast weißen Sandstränden gebadet...! Noch am Abend sind wir dann weiter nach Rio de Janeiro gefahren, wo wir am Fuße der Favela in einem schloss-artigen Hostel untergebracht waren. Auf 3 Schlafsäale à etwa 10-12 Leute waren wir verteilt. Da für alle Leute aber nur 4 Duschen im Haus verfügbar waren, und weil wir erst nach Mitternacht angekommen sind, hieß es, sich zu beeilen....schließlich sollten wir noch Rio bei Nacht erleben!!! So sind wir also nach einer kurzen Erfrischung wieder in den Bus gestiegen und zu einer Samba-Schule mitten in der Favela gefahren. Das war wirklich aufregend!!! Als wir dann endlich wieder im Hostel zurück waren, blieben nur noch weniger als 2 Stunden zum Schlafen, bis wir wieder auschecken mussten und eine Vormittags-Führung durch die Favela - also DIE Favela - bekommen haben. Normalerweise können da Touristen nicht rein...aber im Rahmen von Gruppen tun die Leute dort einem nix....wirklich unglaublich, wie so ein Mafia-Netz funktioniert.....sowas muss man erleben, das kann ich jetzt aber schlecht beschreiben....bei Wiki gibt´s zumindest eine bessere Vorstellung: http://de.wikipedia.org/wiki/Favela!
Danach ging es direkt weiter zum größten Fußballstadion der Welt, "Marancana"....nach der Führung dort haben wir einen kurzen Stopp auf der Karneval-Meile Rios halt gemacht und sind dann mit Seilbahnen zum Zuckerhut hochgefahren und haben die Aussicht genossen...! Naja, eines hat bei der Aussicht gefehlt, denn die berühmte Jesus-Statue war natürlich just ab der Spitze des Hügelchens auf dem sie steht im Nebel versunken...und daran hat sich auch nix geändert. Hoch fahren konnten wir dann letztendlich auch nicht...aber den Abend haben wir - auf ein Freizeichen von dort wartend - an der Copacabana verbracht. Daraufhin sind wir wieder stundenlang im Bus gesessen, bis wir mitten in der Nacht in Búzios angekommen sind, wo wir eine riesige Villa für 2 Nächte beziehen durften. Die hatte etwa 15 Schlafzimmer, Swimmingpool im Garten, Jacuzzi, war an nem kleinen Hügel mit Blick auf das Meer etwa 300 Meter von ebendiesem entfernt....und hatte auch noch 5 Hausangestellte inklusive, die uns bekocht und mit Caipi versorgt haben. Einfach traumhaft....die Nacht haben wir dann also Schach, Billard und Kicker spielend verbracht...immer mit einem Caipi in der Hand :)! Da es mitten in der Nacht fürchterlich zu gewittern begonnen hat, war der Sonntag dann natürlich sprichwörtlich ins Wasser gefallen....somit durften wir dann ausnahmsweise ausschlafen, und sind nachmittags von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt in der näheren Umgebung unterwegs gewesen, bevor wir uns dann im Örtchen zum "shoppen" eingefunden haben. Als wir abends wieder ins Haus zurück kamen, wartete schon ein üppiges Asado - also sämtliche gegrillte Fleischsorten bis zum Abwinken - auf uns. Mit einem Strandspaziergang, Gitarre am Strand und nachts im Atlantik baden (den Caipi nicht zu vergessen) haben wir die Reise dann ausklingen lassen. Montag waren wir nämlich nur im Bus, um zurück nach Sao Paolo zu fahren, von dort nach Buenos Aires zu fliegen und per Bus und Taxi endlich wieder in Tina´s Wohnung zu gelangen. Dienstag Vormittag haben wir dann noch Fotos getauscht und schon war ich wieder auf dem Weg nach Rosario, wo ich vom Busterminal direkt in meine Vorlesung gefahren bin - mit Sack und Pack. Dort angekommen wurde ich auf eine Geburtstagsfeier eingeladen...wo mal wieder der ganze Jahrgang hinging...da konnte ich dann nicht aus. Nach der Vorlesung heimgekommen habe ich also nur noch schnell meine Klamotten in die Wäscherei gebracht und war schon wieder auf dem Weg....was für ein Stress!!!
Wer jetzt denkt, dass diese Reise eine einzige Feierei war, liegt jedoch nur teilweise richtig....denn die ewigen Busfahrten habe ich bereits genutzt, um mich auf meine nächste Prüfung im Dezember vorzubereiten und dafür vorzuarbeiten. Ich bin selbst zum Frühstück teilweise früher aufgestanden und bin vorher noch mit Textmarker und dergleichen über meinen Büchern gesessen!!! Die Zeit konnte ich so also mal wieder optimal ausnutzen!!!
Meinen ersten richtigen Tag wieder in Rosario zurück habe ich also heute - Mittwoch - recht gemütlich angehen lassen. Jule und ich haben uns zum Kaffee trinken getroffen, sind dann am Fluss entlang flaniert und einfach nur die Sonne und Rosario auf uns wirken lassen. Morgen geht der (Lern-)Stress also wieder in vollen Zügen weiter, und ich mach mich daher endlich auf den Weg ins Bett!
Gute Nacht
s'Vrenal

Samstag, 17. Oktober 2009

Ausflug auf´s Land, lernen und schon ist der 3. Monat vorüber..

Zurück von meinem Oktoberfest&Cordoba-Ausflug ging es zum Spanischkurs und in die Vorlesungen...! Samstag ist dann der ganze Jahrgang in die Provinz "Entre Rios" aufgebrochen in einen etwa 100km weit entfernten Ort namens "Victoria". Aus dieser Kleinstadt stammt nämlich eine meiner hiesigen Kommilitoninnen - die uns alle über´s Wochenende in das Landhaus ihrer (Groß-)Eltern eingeladen hat. Per Bus in Victoria angekommen, sind wir die restlichen etwa 20km im Auto weitergefahren, bis wir dann irgendwo in der "Pampa" noch kilometerweit über Feldwege gefahren sind und letztendlich an dem Haus angekommen sind. Ein riesiges Anwesen mit Pool im Garten....und rundum GAR NIX!!! So haben wir dann gleich mal mit Mate trinken und Kuchen essen gestartet, bis wir zu späterer Stunde zum Alkohol und Fleisch essen (asado = Grill natürlich) übergegangen sind. Vorher hatte es aber noch heftig zu regnen begonnen, und wir hatten dann plötzlich für die ganze Nacht keinen Strom mehr...gut dass es Kerzen gibt!!! Der nächste Tag war dann auch eher ruhig....und gegen Abend sind wir per Bus dann wieder zurück nach Rosario gefahren......und seitdem bin ich eigentlich Tag und Nacht nur über dem Schreibtisch beim Lernen gehockt. Von dem Feiertag, der am Montag war (Kolumbus´ Entdeckung von Amerika) hab ich also nicht allzu viel mitbekommen. Heute hatte ich schließlich wieder eine Prüfung....und schon sind meine Zwischenprüfungen auch abgeschlossen und der 3. Monat ist bereits vorüber. Übrigens: auf den Tag genau ist es nun ein Vierteljahr, dass ich schon in Argentinien bin...echt unglaublich!! Und die Ideen gehen mir nicht aus, noch Weiteres zu unternehmen.....aber für weitere 10 Tage heißt es für mich erst einmal noch durchbeißen....ausschließlich lernen!!! Und dann wird´s wieder so richtig spannend ;)! Aber....ich werde zu rechter Zeit berichten ;)! Hier kommen schon einmal die Fotos des 3. Monats:
Rückblick 3. Monat

Montag, 12. Oktober 2009

Eine (weitere) "erhohlsame" Reise

Huch, ist ja schon wieder fast 2 Wochen her, dass ich das letzte Mal was gepostet habe! Aber es war ja - mal wieder - einiges los!
Nach der Foto-Safari und all den richtig typischen argentinischen Speisen hat es mich nach fast 3 Monaten weit weg von daheim mal wieder auf "meine typische" Küche "geblangt", so habe ich mit Brezen SELBST backen begonnen, dazu einen Obatzden gemacht und mich mit meinem Paulaner Weißbier (aus dem Supermarkt nebenan!) zufrieden an den Küchentisch gesetzt, am Tag darauf gab´s dann Brezensuppe! Prima!
Naja, und dann hatte ich sowieso nur noch bis Freitag, den 2. Oktober zu warten, bis Tina nach meinen Vorlesungen aus Buenos Aires gekommen ist! Da haben wir noch mal kräftig bei den Brezen zugelangt und uns schon auf eine Nacht im Bus gefreut! Durch dieses üppige Abendmahl waren wir auch bereits gut auf das OKTOBERFEST eingestimmt! Ja, genau, zum Oktoberfest sollte es nämlich gehen....ein Oktoberfest in Argentinien, in einem kleinen Dorf südlich von Cordoba, in dem sich besonders viele Deutsche - besonders nachdem das Kriegsschiff Graf Spee vor Montevideo gesunken ist - niedergelassen haben. Diese Deutschen und nun die darauffolgenden Generationen versuchen so gut wie möglich ihre europäische Abstammung auch hier bezeugen zu können, und veranstalten daher auch jedes Jahr etwa 10 Tage lang ein Oktoberfest!! Das Oktoberfest dort sieht aber ganz anders aus, da es dann doch internationaler angelegt ist. Bei dem täglichen Musik-Trachten-Zug tanzen dann auch spanische Flamenco-Gruppen, Iren oder eine Trachtengruppe aus Palästina durch die Straßen. Das tollste waren aber die bayerischen oder österreichischen Gruppen, die dann die Deutschland-Flagge geschwenkt haben - anstatt einer anständigen Bayernflagge!! Auf dem Festgelände ist alles auch mehr als Show angelegt, so treten diese Gruppen in Shows auf der Bühne auf und die Leute sitzen in Reihen nur davor und hören zu! Deshalb muss man auch etwa 3-5€ abhängig vom Tag EINTRITT zahlen um auf´s Festgelände zu kommen! Das Bier holt man sich selbst an den Verkaufshütten am Rand, und man muss sich dazu vorher noch seinen eigenen Bierkrug KAUFEN! Bei den Bierkrügen hat man große Auswahl, denn alle haben Aufdrucke - von München, Bayern, Österreich, Salzburg, Tirol über Hessen, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Sachsen etc bekommt man alles!!! Ich hab mir natürlich einen mit "Bayern"-Aufdruck gekauft....und bei genauerem hinsehen ist mir auch aufgefallen, dass die Flagge noch nicht einmal korrekt ist - naja, aber fast! In einem der zahlreichen Wirtshäuser eingekehrt, haben wir natürlich auch Weißwürstl bestellt....die wurden uns dann gebraten und mit Sauerkraut vorgesetzt! Es leben die Vorurteile!!! Also beim Metzger Steer sind´s besser! Senf wird ja auch an allen Ecken verkauft, aber dass man mal süßen Senf finden würde - was ist das nur!? Was aber wirklich angenehm war, war dass alle paar Meter an den Straßenlaternen Lautsprecher angebracht waren, aus denen den ganzen Tag Volksmusik tönte - dank jahrelanger Ausbildung meiner Mama und Radio Salzburg konnte ich überrascht über mich selbst fast sämtliche Melodien mitsummen! Meine Herkunft kann ich also wohl doch nicht verleugnen!
Als es dann also langsam Abend wurde, sind wir zurück ins Hotel (namens TIROL!!) und haben uns für die "Wiesn" schick gemacht. Haben noch schnell mit meiner übergroßen, mitgebrachten Bayernflagge und dem Hotelschild ein Foto geschossen und ab gings in die Samstagnacht!
So viele Deutsche gab es aber dann dort doch nicht....und so passierte es nicht selten, dass Passanten Fotos mit mir in meinem Dirndl schießen wollten.....ich musste also eine halbe Ewigkeit auf mein erstes Bier warten..! Zumindest haben wir den deutschen Nationalfeiertag auch in Argentinien einigermaßen deutsch verbracht *g*!
Den nächsten Tag haben wir dann in ein Fußgängerdorf namens "Cumbrecita" einen Ausflug gemacht, sind zu einer Kapelle und einem Wasserfall gewandert, waren im Hochseilgarten und haben "tirolesa" gemacht und Sonntag abend gings wieder auf´s Oktoberfest - nachdem Tina und ich als Bayern vor Ort ein Interview für die lokale Zeitung gegeben haben *g*.
Den letzten Montag haben wir sehr spannend verbracht - an einem Staudamm - was uns die Tourismusinformation von Villa General Belgrano als Sehenswürdigkeit angepriesen hat. Zumindest konnte ich dort wieder "tirolesa" machen!
Dienstag Früh verließen Tina und ich letztendlich diese pseudo-deutsche Insel (obwohl zugegebenermaßen fast jeder dort deutsch sprach) in Richtung Cordoba, wo wir im Hostel dann auch Jule getroffen haben - also die andere deutsche Studentin in Rosario! Den Tag haben wir mit Sightseeing durch die Stadt verbracht und sind dann noch auf ein paar Cocktails und einen DEUTSCHEN Döner gegangen! Mittwoch ging´s in den Süden in ein Dorf namens Alta Gracia - wo der in Rosario gebürtige Che Guevara seine Kindheit und Jugend verbrachte. Neben seinem Geburtshaus, das heute ein Museum ist, haben wir aber ebenso die der UNESCO zugehörigen Jesuiten-Estancia besichtigt. Nach diesen 5 erlebnisreichen Tagen haben wir dann also wieder eine Nacht im Bus verbracht und Jule und ich sind in Rosario Donnerstag Früh angekommen während Tina noch ein paar Stunden bis Buenos Aires weiterfahren musste.
Ein paar Videos und Fotos sind schon einmal eingefügt....die restliche Auswahl folgt dann die nächsten Tage!

Mittwoch, 30. September 2009

Safari fotografico

Eigentlich wollte ich ja das vergangene Wochenende im Kajak von Santa Fe auf dem Fluss eine 2-tägige Tour mit Zeltübernachtung nach Rosario unternehmen. An mangelnder Teilnehmerzahl und letztendlich auch wegen des Wetters ist das jedoch leider nichts geworden.
Meine Spanischlehrerin hat mich aber auf eine andere Idee gebracht. Ihr Bruder ist nämlich Fotograf von Beruf und hat für diesen Sonntag eine Foto-Safari organisiert, sprich in nem Kleinbus mit einigen Leuten "in die Pampa" zu fahren und einfach nur "professionell" Fotos zu schießen. Ziemlich früh am Morgen bin ich Sonntag dann also von einem Kleinbus mit etwa 10 Argentiniern abgeholt worden....und so haben wir nach einigen Kilometern an einem Benediktinerkloster unseren ersten Halt gemacht...dann ging es in eine Kleinstadt mit "romantischen Sträßchen"...tja und dann ging´s wirklich in die Pampa. Wir haben die Hauptstraße verlassen und sind etwa eine Stunde lang über Feldwege gefahren....dort wo sich Fuchs und Has´ gute Nacht sagen...haben Kühe und die Landschaft fotografiert und sind letztendlich an einem kleinen Landhaus angekommen. War bisschen kompliziert, aber soweit ich das richtig verstanden habe, war das der Onkel von dem Busfahrer...oder doch der Onkel von seiner Frau!? Naja, auf jeden Fall hat dieser Onkel dort auf dem Land gelebt...und der ist ein Gaucho. Mit einem typischen asado....also gegrilltes Fleisch bis zum Abwinken...hat er auf uns gewartet. Nachdem wir anständig reingehauen haben, sind wir dann über sein Land gezogen, und haben mal wieder von der Natur Fotos geschossen....sind zu einer Lagune gegangen...und auf dem Rückweg hat er eine Palme angezündet...das war ein ganz schönes Feuer! Als wir total durchgefroren an diesem eiskalten Tag wieder zurück zu seinem Haus gekommen sind, hat´s dann erst einmal "Auszogne" gegeben....also nicht nur in Bayern ist das ein typisches Gericht, sondern auch hier in Argentinien...jedoch, dass man die Auszognen hier mit "dulce de leche" isst....und sie hier "tortas fritas" heißen! Daraufhin haben wir einen kleinen "Bauernmarkt" in der Stube vor dem Kamin veranstaltet - während wir mal wieder Mate getrunken haben...und jeder hat ihm einen Laib selbst gemachten Käse und Eier abgekauft. Dann war es Zeit zum Melken....jeden Abend zur gleich Zeit stellen sich seine Kühe nämlich brav an und wollen gemolken werden. Die liebe Vreni konnte das natürlich nicht verpassen und wollte auch mal probieren.....und siehe da, ich hab das tatsächlich können, da ist wirklich Milch rausgekommen und den Eimer hab ich auch noch getroffen!!!! Ich war echt glücklich!!! Was für eine Erfahrung....bei und mit einem Gaucho einen Tag zu verbringen....und das nicht als "Touristenattraktion", sondern mit anderen Argentiniern und damit wirklich authentisch. Gestärkt von den ganzen ländlichen Köstlichkeiten und nach einem Tag in der Natur an der frischen Luft haben wir uns wieder auf den Rückweg begeben und sind Sonntag spät abends wieder heimgekommen. Ein echt toller Tagesausflug! Ich freue mich schon auf die nächste Safari....achja...Fotos folgen ein anderes Mal ;)

Samstag, 26. September 2009

Typisch Argentinien

Ich habe mal eine kleine Liste zusammen gestellt...was mir bisher so aufgefallen ist...diese werde ich aber im Laufe der Zeit garantiert noch erweitern:

„tranquilo“…ist an sich schon das Lieblingswort der Argentinier…nämlich alles ruhiger anzugehen…und immer zu spät zu kommen….es gehört sogar zum guten Ton, mindestens eine halbe Stunde später zu kommen, als ausgemacht wurde…teilweise gilt das sogar für die Uni, aber die Vorlesungen enden dann dennoch zur regulären Zeit ;)

Ausgehen: die jungen Leute gehen hier wirklich VIEL weg, und beginnen auch schon in einem Alter von 14-15 Jahren, es wird viel getrunken und in Diskos/Bars ist erst ab 2 Uhr nachts was los, jedoch ist man dann auch immer bis 8 Uhr morgens unterwegs

Begrüßung: Um sich zu begrüßen, gibt man sich immer ein Küsschen auf die - meistens rechte - Wange. Sobald von zwei sich begrüßenden Personen auch nur eine davon weiblich ist, begrüßt man sich so. Männer untereinander begrüßen sich ebenfalls mit Küsschen, jedoch lediglich, wenn sie sich besser kennen....sprich mindestens schon 1-2 Mal getroffen haben.

Entwicklungsland: Argentinien IST ein Entwicklungsland. Die meisten Bewohner leben hier in Armut….während man in Deutschland davon spricht, dass die so genannte Mittelschicht am Aussterben ist, existiert diese in Argentinien gleich gar nicht. Die „Schere“ ist hier wirklich zu sehen….entweder sind die Leute arm oder reich. Es gibt nur eins der beiden.

Essen: ziemlich oft wird ein Lieferservice gerufen, der fertiges Essen bringt..meistens sind das dann Pizzen oder Empanadas (gefüllte Blätterteigtaschen)

Fernsehen: Dass in Deutschland alle ausländischen Filme und Serien synchronisiert sind, ist eine wahre Ausnahme. Auch hier in Argentinien sind die meisten Filme und Serien in Originalton mit spanischem Untertitel, die wenigsten Beiträge sind "hablado en castellano"! Zumeist nur dann, wenn es irgendwelche argentinischen Filme sind....aber die Filmindustrie hier ist durchaus nicht zu unterschätzen!

Fleisch: es ist nicht gesagt, dass jedes Haus hier eine Heizung hat (sogar die wenigsten), aber einen Grill hat fast jedes! Der Familienzusammenhalt ist generell größer, Jugendlichen ist es auch nicht „peinlich“, Zeit mit ihren Eltern und Geschwistern zu verbringen…und so kommt man zum (mindestens) einmal wöchentlichen gemeinsamen „asado“ = Grillen zusammen! Fleisch an sich ist hier auch wirklich günstig...Käse kostet in Argentinien beispielsweise doppelt so viel pro Kilo als das beste Stück Fleisch!!!

Friedhof: Friedhöfe in Argentinien sind ganz anders als bei uns. Jedes Grab ist eine eigene kleine Kapelle. Je nach Friedhof kann so eine Grabstelle ziemlich viel kosten. Argentinier haben eine wahre Ehrfurcht vor dem Tod und den Toten....deswegen lassen sie sich ihre Gräber auch einiges kosten, wahrscheinlich sogar mehr als zu Lebzeiten.

Fußball…und Maradona: jeder Argentinier kennt sich mit Fußball aus, ist begeistert davon und Familienweise wird man schon in bestimmte Vereine „hineingeboren“, also von welchem Club man Fan ist, und von welchem nicht…..untereinander rivalisieren sich die Argentinier so gesehen auch gewaltig. Pikantes Thema! Maradona jedoch lieben alle Argentinier, er ist sowas wie ein Mensch gewordener Gott….wird einstimmig verehrt…und man sollte nichts Gegenteiliges äußern!

Gas: Jedes Haus und jede Wohnung hat einen Anschluss ans Gasnetz, das heißt, dass alle Herde und Öfen mit Gas funktionieren. In Supermärkten kann man daher auch riesige Vorratspackungen Zündhölzer erstehen, um sich immer gleich Feuer machen zu können.

Gesellschaftsstrukur: in Vorlesungen setzen sich die Jungs untereinander in einen Block, und die Mädels untereinander hin….auch abends beim Weggehen treffen sich die Geschlechter schön voneinander getrennt zum Ausgehen und kommen dann höchstens beim „beschämten Flirten“ in den Diskos zusammen. Unternommen wird aber eigentlich nur immer was von den Mädels und von den Jungs jeweils untereinander

Glaube/Kirche: eigentlich sind hier ja die meisten erz-katholisch….aber in die Kirche geht keiner, und der Glaube scheint sich bei den meisten auch nur auf dem Papier abzuspielen….auf der anderen Seite wird aber von beinahe allen ein Kreuzzeichen gemacht, wenn sie eine Kirche passieren!

Kleidung: Die Männer schauen eigentlich immer gleich aus....mit (mind) 3-Tagesbart und genau genommen recht ungepflegt. Die Frauen scheren sich tagsüber selten um ihr Äußeres, und nicht selten sieht man sie in Jogginghose und dergleichen durch die Öffentlichkeit ziehen. Sobald es aber um irgendein Event geht, oder das Ausgehen natürlich, sind alle plötzlich wie Püppchen aufgestylt, haben sie sich mit den modernsten Klamotten in Schale geworfen und sehen aus, als kämen sie direkt vom Laufsteg! Eindeutig nicht wiederzuerkennen! Und wirklich auch irrsinnig, wie viel Zeit vor dem Weggehen für das Styling aufgewendet wird....2-3 Stunden vorher im Badezimmer zu verbringen ist da keine Seltenheit!

Klingel: Besonders in ärmeren Vierteln besitzen die Leute keine Klingel, weil es keine Elektrizität gibt. Man betritt dann aber das Grundstück nicht einfach so, sondern man klatscht in die Hände und wartet bis jemand vor die Tür kommt, denn das klatschen an sich ersetzt hier das klingeln!

Körpergröße: Die Argentinier sind durchschnittlich viel kleiner als "wir Europäer". Sowohl Männer als auch Frauen sind kleiner und zierlicher. Ich mit meinen 1,65m gehöre hier schon zu den "Riesen"...und es gibt hier sogar kaum Männer, die größer sind als ich!

Mate: ein Tee, den man wirklich immer und überall trinkt…..wie ist allerdings schon eine Wissenschaft für sich…bei Wiki genauer erklärt ;) http://de.wikipedia.org/wiki/Mate

Melancholie: Argentinier lieben den Konjunktiv, und neigen gern dazu im Selbstmitleid zu baden. Schließlich ist immer alles ganz schlecht, und der kleinste Rückschlag lässt die meisten gleich resignieren anstatt wie ein Löwe um ihre Sache zu kämpfen zu beginnen. Die Traurigkeit, Mitleid und die Sehnsucht....auch ausgedrückt im Tango...gehören also schon zum argentinischen "lifestyle".

Mücken: In Argentinien gibt es eine Menge Mücken, eine richtige Plage ist das. Dafür gibt es auch in jedem Supermarkt oder in jeder Apotheke ein "OFF", nämlich ein Spray (welches in Deutschland angeblich nicht existiert, da es Lebererkrankungen auslöst), das wirklich hilft. Die Family-Version muss man sich mindestens 2 Mal täglich auf den ganzen Körper sprühen, bevor man das Haus verlässt, und das "Grüne" ist extra-stark, das reicht meistens für den ganzen Tag. Dieses aggressive Zeug ersetzt duftmäßig also eigentlich auch jedes Deo.

Musik: es gibt viele nationale Musikgruppen, die jungen Leute spielen fast alle Gitarre und können richtig gut singen – vorteilhaft natürlich, dass sie sämtliche Texte auswendig können. Das beliebteste Genre ist hier Reggeaton….aber auch Rockmusik wird gern und viel gehört.

Nahverkehr: es gibt zwar Stadtbusse, aber keiner kennt sich damit aus, Buspläne existieren ja auch nicht, und man kann auch nicht wirklich irgendjemanden fragen. Jedoch gibt es überall Taxis, die auch gar nicht so teuer sind…sogar Einheimische fahren viel mit dem Taxi! Wenn es dann jemanden gibt, der ein Auto hat….dann sitzt man in einem normalen Kleinwagen schnell mal zu acht oder neunt drin….das ist keine Seltenheit! Angeschnallt wird sich hier übrigens auch nicht…und da die meisten Verkehrswege über „rechts vor links“ geregelt sind und die Argentinier Regeln nicht gerne mögen, ist es immer ein „herantasten“ und „Grenzen ausloten“….man muss beim Fahren also mitdenken und kann sich nicht typisch deutsch stur auf Regeln berufen.

Preise: egal wohin man geht, es wird bei den Preisen zwischen Einheimischen und Touristen unterschieden. Manchmal entscheiden Kellner auch rein vom Aussehen her, wie viel du für etwas zahlen kannst. Es geht dabei nicht um den Wert selbst, sondern rein darum, dass derjenige, der einen höheren Preis verkraften kann, ihn auch zu zahlen hat! Auf Studenten wird jedoch auch inner-argentinisch nicht unterschieden, da fällt immer der volle Preis an.

Regierung und Polizei: die Menschen vertrauen keinem, denken und reden nur schlecht über Politiker und Polizisten, erwarten auch das Schlimmste….Probleme werden in Selbstjustiz gelöst, oder Bekannte alarmiert…..die Polizei sind jedenfalls die letzten die gerufen werden!!

Reisen: Züge existieren zwar, werden aber nicht genommen, weil die total veraltet und extrem unzuverlässig sind. Hingegen gibt es Reisebusse, von denen man in Europa nur träumen kann. Die Sitze sind wahre Schlafsessel, es gibt Service an den Platz mit Speisen und Getränken inklusive. Egal wohin man will, findet man täglich mindestens einen Bus, der diese Route fährt…zu Zielen wie Buenos Aires (auch eine etwa 4-stündige Fahrt von Rosario) gibt es halbstündlich Busse! Buspläne existieren jedoch leider nicht, so muss man sich immer am Busbahnhof von Büro zu Büro über Abfahrtszeiten und Preise durchfragen…diese können bei fast gleichem Service nämlich dennoch gewaltig schwanken!

Servietten: Richtige Servietten scheinen in Argentinien nicht zu existieren. In der Öffentlichkeit bekommt man dünne Papierblätter, und privat wird Küchenrolle verwendet, die bei jedem Essen gleich für alle verfügbar auf dem Tisch steht.

Solidarität: Da die "Schere" des Wohlstands hier deutlich zu spüren ist, und die Argentinier ihrer Regierung nicht sonderlich trauen, nehmen sie ja alles nach Möglichkeit selbst in die Hand....somit auch die Armut. In der Uni wird in fast jeder Vorlesung gepredigt, dass Unternehmen auch eine soziale Verantwortung zu tragen haben, und sich solidarisch zeigen sollen. Auch wir Studenten sind deshalb auf eine "solidarische Reise nach Santiago del Estero" letzten Monat gefahren, um "Dienst an unseren Nächsten" zu tun.

Straßen: Das Straßennetz in fast allen argentinischen Städten ist streng quadratisch eingeteilt...und die Nummern werden pro Block vergeben, so dass ein bestimmter hunderter pro 100 Meter also genau einen Block verläuft. Man kann sich dadurch ziemlich leicht orientieren...denn die Straßen sind dadurch kilometerlang, und anhand der Zahlen weiß man dann auf welcher Höhe was liegt..!

Supermarkt: Lebensmittel kann man Montag bis Sonntag einkaufen gehen. Die normalen Öffnungszeiten bewegen sich so zwischen 8 und 22 Uhr. Am Sonntag ist mittags zur Siesta jedoch geschlossen. Stark verbreitet sind jedoch Kioske, die das wichtigste anbieten…oder Obst- und Gemüseläden….deren Qualität oft besser und die Preise oft niedriger als in Supermärkten ist….und die Öffnungszeiten sind selbstverständlich auch umfangreicher!

Süßigkeiten: Überall findet man „alfajores“, Kekse die mit „dulce de leche“ gefüllt sind und oft mit Schokolade überzogen sind…davon gibt es aber auch viele Varianten. „Dulce de leche“ ist hier übrigens unglaublich beliebt….es ist ein süßer Brotaufstrich, der noch 10 Mal beliebter als unser Nutella ist….und auch für sämtliche Kekse wird er verwendet…!

Tanzen: JEDER kann tanzen und tanzt gerne…auch Männer! Argentinier haben ein unglaubliches Rhythmusgefühl. Jedoch ist der so berühmte Tango weniger verbreitet als Salsa.

Toiletten: Meistens gibt es keinen Schlüssel an Toilettentüren. Man verschließt die Tür und das sollte Zeichen genug für diejenigen davor sein. Sollte eine Tür verschlossen sein, und man davor wartend nicht sicher sein, ob sich jemand darin befindet oder nicht, klopft man an. Wenn eine Reaktion "ocupado" kommt, ist es besetzt, wenn von drinnen niemand reagiert, wird davon ausgegangen, dass die Toilette frei ist. Klopapier ist meistens vor den Toiletten. In ganz öffentlichen Toiletten bekommt man Klopapier ausschließlich bei der "Klofrau", je nachdem wie viel Kleingeld/Trinkgeld man ihr gegeben hat.

Wechselgeld: In Argentinien herrscht eine akute Wechselgeld-Not. Jeder bunkert das Kleingeld, das er hat, weil man es ja mal wieder irgendjemandem auf der Straße geben können müsste, der einem die Tür oder sowas aufhält. Wenn es sich also um kleinere Beträge handelt, passiert es also durchaus, dass man in einem Geschäft ein paar Bonbons als Kleingeld-Ersatz anstelle des Wechselgeldes erhält.